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Hamburg | 27.08.2018, von  Piet Bosse

Drei Siege zum Auftakt - Bundesliga Saison 2018/2019 gut für Überraschungen?

Die zentrale Frage der Bundesliga hat sich in den letzten Jahren ein wenig zu einer rhetorischen entwickelt, ist dieses Jahr jedoch wieder aktueller: Wer wird Deutscher Meister?
Bei Borussia Dortmund hat nach einer turbulenten Spielzeit im Sommer sehr viel verändert, die schwarz-gelben wollen ihr Spiel wieder agiler und unberechenbarer gestalten. Mit Lucien Favre steht nun ein Mann an der Seitenlinie, der mehrmals bewiesen hat, dass er den Erfolg in einen Verein bringen kann. Bei seiner ersten Station in Deutschland brachte er Hertha BSC 2008/2009 ins internationale Geschäft und schnupperte sogar an der Meisterschaft. Borussia Mönchengladbach bescherte er 2011 den bei Amtsantritt vom Umfeld nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt und entwickelte die Fohlen während seiner Amtszeit zu einem Dauergast im Europapokal. Nach einem Fehlstart 2015 zeigte der Coach Größe und beendete entgegen aller Bestrebungen der Vereinsverantwortlichen das Arbeitsverhältnis am Niederrhein. In Nizza startete Favre einen persönlichen Neuanfang, führte das Team nach Europa und kratzte 2017 gar an der Meisterschaft. Dass in Dortmund das Potential dazu vorhanden ist, machte der Auftakt gegen RB Leipzig deutlich. Das neu zusammengestellte Mittelfeld aus Thomas Delaney, Mahmoud Dahoud und Axel Witsel kombinierte wie eine bereits bestens eingespielte Einheit, was sich auch darin zeigte, dass die beiden Letztgenannten beim 4:1 Heimsieg jeweils trafen. Favre und seiner hochveranlagten Mannschaft ist also durchaus zuzutrauen, der zentralen Frage eine überraschende Antwort zu geben.

Während in Dortmund ein neuer Mann auf der Bank sitzt, herrscht in Berlin Konstanz: Seit 2014 ist Pal Dardai schon im Amt und hat die Hertha seit seiner Übernahme nicht nur aus dem Abstiegskampf befreit und stabilisiert, sondern 2017 sogar in die Europa League geführt. Von allen Übungsleitern der Liga ist der Ungar die zweitlängste Zeit im Amt. Nicht nur in dieser Statistik stehen die Berliner sehr weit oben: Die alte Dame geht dieses Jahr mit der zweitjüngsten Mannschaft der Liga an den Start und hat passend dazu gleich vier Akteure aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft befördert. Mit Valentino Lazarro gelang es Sportchef Michael Preetz einen erst 22-jährigen Leistungsträger der vergangenen Saison fest an die Hauptstädter zu binden. Der Rechtsaußen wurde nach einjähriger Leihe von Red Bull Salzburg für 6,5 Millionen Euro fest verpflichtet und ist somit Herthas Rekordeinkauf des Sommers. Zum Ligaauftakt gewann Hertha 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg und zeigten, dass in einer jungen Berliner Mannschaft und seinem erfahrenen Trainer dieses Jahr viel Potential für positive Überraschungen steckt.

Böse Überraschungen möchte der 1. FSV Mainz 05 nach zwei Jahren im Abstiegskampf vermeiden und sportlich wieder in ruhigeren Gewässern schwimmen. Hierfür hat Sportchef Rouven Schröder nach dem Rekordverkauf von Abdou Diallo an den BVB eine Menge Geld in die Hand genommen und insgesamt fast 25 Millionen Euro in den Kader investiert. Aus Frankreich kamen Sturmtalent Jean-Philippe Mateta und der 22-jährige Innenverteidiger Moussa Niakhaté, während mit Ridle Baku die vielversprechendste Entdeckung des letzten Jahres fest im Profikader aufgenommen wurde. Baku durfte in den letzten drei Ligaspielen mitmischen und erzielte dabei zwei Tore, auf seine weitere Entwicklung darf man sehr gespannt sein. Das erste Pflichtspiel der Saison konnten die Mainzer im Pokal bei Erzgebirge Aue mit 3-1 gewinnen, obwohl sie nach einem frühen Platzverweis von Niakhaté lange in Unterzahl spielten. Auch der Ligaauftakt gelang den 05ern: Beim 1:0 Heimsieg gegen den VfB Stuttgart stellte Sandro Schwarz die jüngste mainzer Startelf der Bundesligageschichte auf. Die Entwicklung beim FSV deutet darauf hin, dass dieses Jahr gleich mehrere Talente die Liga überraschen können. 

Hohes Überraschungspotential haben generell immer die Außenseiter, weil ihnen von außen nicht viel zugetraut wird und sie nichts zu verlieren haben.
Als Aufsteiger ist der 1. FC Nürnberg ein eben solcher Underdog. Nach dem überzeugenden Aufstieg ist der "Club" nach vier Jahren in die Bundesliga zurückgekehrt und hat vor, dort eine ganze Weile zu bleiben. Der, gemessen am Gesamtmarktwert, laut transfermarkt.de preiswerteste Kader der Liga wurde diesen Sommer mit vielen Talenten, aber auch mit erfahrenen Profis aufgestockt. Kevin Goden vom 1. FC Köln, Timothy Tilman vom FC Bayern und Törles Knöll vom HSV sind Neuzugänge mit hoher Perspektive, während erfahrene Akteure wie Robert Bauer vom SV Werder Bremen oder Yuya Kubo als Soforthilfe gesehen werden. Dass der Konkurrenzkampf dem nürnberger Spiel gut tut, zeigte Mikael Ishak im DFB-Pokalspiel beim SV Linx: Der schwedische Stürmer duelliert sich mit Nachwuchs-Neuzugang Knöll und sammelte mit seinem Doppelpack wichtige Argumente für den Platz in der Sturmspitze. Trainer Michael Köllner kann trotz der Niederlage bei Hertha BSC auf eine ausgeglichene Mannschaft aus erfahrenen Leistungsträgern und hungrigen Jungrofis zurückgreifen, die sicherlich dem ein oder anderen Favoriten überraschenderweise ein Bein stellen wird. 

Wir wünschen all unseren Partnern viel Erfolg in der Bundesliga-Saison 2018/2019!